Bei der Patientenverfügung - früher auch oft als ‘Patiententestament’ bezeichnet - handelt es sich um einen im voraus getroffene Willensbekundung eines Patienten, in der für den Fall, daß ein Patient nicht in der Lage ist sich selbst zu äußern, den Willen des Patienten in Bezug auf seinen ärtzliche Versorgung dokumentiert.

Und was bedeutet das?

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung werden im Falle, daß ein volljähriger, nicht entmündigter Patient nicht mehr für sich selbst entscheiden kann (z.B. durch Demenz, tiefe langanhaltende Bewußtlosigkeit, Koma) nicht automatisch die nächsten Angehörigen (Tochter, Sohn, Ehegatte, Lebensgefährte...) von den Ärzten zu Entscheidungen herangezogen oder gar als (temporärer) Vormund eingesetzt.

Im Gegenteil: rein rechtlich gesehen, dürfen weder Ärzte noch Krankenschwestern oder Pfleger irgendjemandem irgendeine Auskunft über die Diagnose, die Prognose oder den aktuellen Gesundheitszutand geben, wenn sie nicht durch den Patienten dazu ermächtigt wurden. Die ärztliche Schwiegepflicht gilt grundsätzlich ersteinmal gegenüber jedem, der nicht der Patient selber ist. Daß dies trotzdem in vielen Fällen nicht so streng gehandhabt wird ist zwar in dem Moment für die Angehörigen sehr angenehm, jedoch begeben sich die Auskunftgebenden damit mit einem Bein in den Knast!

Ein Beispiel:

Oma kommt ins Krankenhaus, hat keine Patientenverfügung, fällt ins Koma und nun steht die Entscheidung an ob und welche lebensverlängernden Maßnahmen durchzuführen sind. Den Krankenhaus sind der Sohn, die Schwiedertochter und ein Bruder der Oma bekannt.

Der - für die Oma und die Angehörigen - schlimmste Fall:

Die Ärzte geben keine Auskunft über Omas Gesundheitszustand, entscheiden eigenständig über notwendige Therapien oder lebensverlängernde Maßnahmen auch wenn diese entgegen Omas Interessen sind. Sie kann ja nicht widersprechen. Evtl. wird per Schnellgerichtsverfahren auch noch ein Amtsvormund eingesetzt, der über die möglichen Behandlungen entscheidet oder sogar die Vollmacht über Omas Konten erhält und davon die Kosten für Therapien oder Pflegeheime deckt.

Vor dem Gesetz wird hier korrekt gehandelt, auch wenn es nicht im Sinne der Patientin sein mag.

Wie es oft in den Krankenhäusern abläuft bzw. wie viele denken, daß es abzulaufen habe:

Die Ärzte geben den Angehörigen bereitwillig Auskunft über Omas Gesundheitszustand, zeigen mögliche Therapien auf und diskutieren mit den Angehörigen was Oma denn wahrscheinlich wollen würde und was nicht.

Die Ärzte begeben sich mit einem Bein ins Gefängnis, weil sie ihre Schweigepflicht brechen. Immerhin wird versucht in Omas Sinn zu handeln.

Wie es läuft, wenn Oma einen Patientenverfügung hat:

Oma hat in ihrer Verfügung definiert, was sie möchte und was nicht. So hat sie zum Beispiel geschrieben, daß sie unter allen Umständen schmerzfrei sein möchte, auch wenn das heißt, daß durch eine Gabe hochdosierter Morphine evtl. ihr Leben verkürzt wird. Außerdem hat sie ihren Sohn als Bevollmächtigten eingesetzt, der in ihrem Namen Entscheidungen treffen darf.

Optimal wäre es wenn die Patientenverfügung bereits bei der Aufnahme ins Krankenhaus vorgelegt würde, was aber meist nur bei geplanten Krankenhausaufenthalten möglich sein dürfte.

 

Weiterführende Infos: Patientenverfügung, eine Broschüre des Bundesministerium der Justiz (inkl. Mustertexte)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

http://www.vitanet.de/aktuelles/Politik-und-Gesellschaft/20080922-Neuer-Gesetzentwurf-zur-Patientenverfuegung/



http://www.krankenkassenratgeber.de/news/arzt-patient/neues-gesetz-zur-sterbehilfe.html



http://afp.google.com/article/ALeqM5hJ4gnF4tgW_wMjoUvV1rhH4YYGcg



http://www.pr-inside.com/de/strenge-regeln-fuer-patientenverfuegung-im-r817744.htm



 

 

 

 

 

 

 

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